Projektstart InnoFerm: Biobasierte Rohstoffe und Recycling für nachhaltige PU-Schäume

Wie können Reststoffe aus Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Kunststoffabfällen zu hochwertigen neuen Produkten werden?

Genau dieser Frage widmet sich das neue Demonstrationsprojekt InnoFerm, das im Mai 2026 gestartet ist. Gemeinsam mit vier Unternehmenspartnern arbeitet das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. (PFI) daran, innovative Ansätze aus den Bereichen biobasierte Rohstoffe, Fermentationstechnologien und chemisches Recycling in die industrielle Praxis zu überführen.

Teil des Bündnisses Waste2Value

InnoFerm ist Bestandteil der zweiten Förderphase des regionalen Innovationsbündnisses Waste2Value, das seit 2022 im Rahmen der WIR!-Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt wird. Das Gesamtvorhaben umfasst rund drei Millionen Euro und baut auf den Ergebnissen mehrerer erfolgreicher Forschungs- und Entwicklungsprojekte der ersten Förderphase auf. Ziel ist es, vielversprechende Technologien aus dem Labor in den Demonstrations- und Anwendungsmaßstab zu überführen.

Wertvolle Rohstoffe aus Reststoffen gewinnen

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Nutzung unterschiedlicher Reststoffströme aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Mithilfe fermentativer Verfahren werden daraus sogenannte Plattformchemikalien hergestellt. Diese dienen als wichtige Ausgangsstoffe für die Produktion von Kunststoffen und können dazu beitragen, fossile Rohstoffe teilweise zu ersetzen. Doch damit nicht genug: Zusätzlich werden Monomere aus Kunststoffabfällen zurückgewonnen. Hierfür kommen innovative Verfahren des chemischen Recyclings zum Einsatz, bei denen Kunststoffreste in ihre chemischen Grundbausteine zerlegt werden. Durch die Kombination dieser beiden Ansätze entsteht ein besonders nachhaltiges Konzept, das biobasierte und recycelte Rohstoffe miteinander verbindet.

Nachhaltige Dämmstoffe als Ziel

Die gewonnenen Bausteine werden anschließend zur Herstellung von teilbiobasierten Polyurethan-Schäumen (PU-Schäumen) eingesetzt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Entwicklung neuartiger PU-Hartschäume, die künftig als Dämmmaterial verwendet werden können. Solche Materialien spielen beispielsweise im Bauwesen oder in technischen Anwendungen eine wichtige Rolle und bieten großes Potenzial für ressourcenschonende Lösungen. Mit InnoFerm soll gezeigt werden, dass hochwertige PU-Schäume nicht zwangsläufig auf fossilen Rohstoffen basieren müssen, sondern auch durch die intelligente Nutzung von Reststoffen und Recyclingmaterialien hergestellt werden können.

Starke Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Die Umsetzung eines derart komplexen Projekts erfordert vielfältige Kompetenzen aus Forschung und Industrie. Deshalb vereint das InnoFerm-Konsortium Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Das PFI sowie das Biotechnologie-Unternehmen ASA bringen ihre Expertise in den Bereichen Fermentation und Bioverfahrenstechnik ein. Die AMODIA Bioservice GmbH unterstützt die Prozessoptimierung und -kontrolle mit ihrer Kompetenz in der molekularen Diagnostik. Für die Entwicklung der chemischen Recyclingverfahren und die Synthese der Ausgangsmaterialien zu PU-Schäumen ist RAMPF Advanced Polymers verantwortlich. Ergänzt wird das Konsortium durch bCircular, einen Spezialisten für Roh- und Reststoffmanagement sowie Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessment, LCA).

Damit deckt das Projekt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Rohstoffgewinnung über die Materialentwicklung bis hin zur ökologischen Bewertung der Produkte.

Von der Forschung zur Anwendung

Das gemeinsame Ziel der Projektpartner ist klar definiert: Nach einer Laufzeit von 30 Monaten sollen marktfähige Produktmuster präsentiert werden, die das Potenzial der entwickelten Technologien unter realen Bedingungen demonstrieren. InnoFerm zeigt beispielhaft, wie Forschung, Industrie und Nachhaltigkeit zusammenwirken können, um innovative Lösungen für die Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Durch die intelligente Nutzung biobasierter und recycelter Rohstoffe leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer ressourcenschonenden und klimafreundlichen Kunststoffwirtschaft.

Blick in die Zukunft

Die Herausforderungen der Zukunft erfordern neue Denkansätze bei der Nutzung von Rohstoffen. Projekte wie InnoFerm zeigen, dass vermeintliche Abfälle wertvolle Ressourcen sein können. Durch die Verbindung von Fermentation, chemischem Recycling und moderner Werkstoffentwicklung entstehen innovative Materiallösungen, die Nachhaltigkeit und industrielle Anwendbarkeit miteinander vereinen.

Sie haben Fragen zum Projekt? Sprechen Sie uns an!

Bio­techno­logie

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