Die Biogasbranche befindet sich im Wandel: Statt klassischer Energiepflanzen setzen Betreiber von Biogasanlagen zunehmend auf Reststoffe und landwirtschaftliche Koppelprodukte. Hintergrund sind Änderungen im EEG, die den Einsatz von Mais begrenzen und den Bonus für nachwachsende Rohstoffe gestrichen haben. Dadurch rücken kostengünstige Alternativen wie Grünschnitt, Stroh, Mist, Geflügelkot oder Blühpflanzen in den Fokus.
Doch viele dieser Substrate sind bislang kaum untersucht. Es fehlen zuverlässige Daten zum Abbaugrad und zum Methanbildungspotenzial.
Herausforderung: Bisherige Verfahren sind teuer und zeitaufwendig
Die aktuell verfügbaren Tests zur Substratcharakterisierung sind überwiegend auf klassische Energiepflanzen ausgelegt. Methoden aus der Futtermittelanalytik lassen sich nur bedingt übertragen. Zwar existieren Gasertragstests – doch diese sind teuer und dauern:
- 5–6 Wochen bei statischen Verfahren
- mehrere Monate bei kontinuierlichen Versuchen
Für Betreiber, die schnell Entscheidungen über den Substrateinsatz treffen müssen, ist das ein klarer Nachteil.
Neue Lösung: Enzymatische Tests für Reststoffe
Im Forschungsprojekt BiomassValue entwickelt das PFI ein völlig neues Verfahren, um die Eignung von Reststoffen für die Biogaserzeugung schnell und zuverlässig zu bewerten.
Der Ansatz:
- Entwicklung spezieller Enzymblends, um den Abbaugrad verschiedener Substrate zu messen
- Erstellung von Modellen für Gasertragsprognosen auf Basis der enzymatischen Hydrolyse
- Validierung durch statische und dynamische Biogastests im Technikum des PFI
Das Ziel: Ein universell einsetzbares Testverfahren, das innerhalb von maximal drei Werktagen praxisnahe Prognosen zur Methanbildung liefert – deutlich schneller und kostengünstiger als bisherige Methoden.

Relevanz für Betreiber und Berater
Von dem neuen Analyseverfahren profitieren nicht nur Betreiber von Biogasanlagen. Auch zahlreichen Unternehmen welche Beratungsleistungen und analytische Dienstleistungen für die Branche anbieten erhalten damit ein Werkzeug, um Reststoffe effizient und zuverlässig zu bewerten.
Der Bedarf wächst nicht nur in Deutschland: Auch international – etwa in Frankreich – konzentrieren sich Märkte zunehmend auf die Vergärung von Rest- und Abfallstoffen.
Forschungsrahmen
Das Forschungsvorhaben BiomassValue wird im Rahmen des INNO-KOM Programms unter Projektträgerschaft von Euronorm und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgeführt.
Sie haben Fragen zum Projekt? Unsere Experten stehen Ihnen gerne zur Verfügung!
Ihr Ansprechpartner:

Dr. Stefan Dröge
Biotechnologie
Jetzt zum Newsletter anmelden und immer informiert bleiben!
Hat Ihnen unser Blogartikel gefallen? Dann melden Sie sich am besten gleich für unseren Newsletter an! Dieser erscheint quartalsweise und versorgt Sie mit spannenden Einblicken rund um das PFI. Aktuelle Themen rund um Forschung, Entwicklung und Prüfung – bleiben Sie informiert und immer auf dem neuesten Stand!




