Wenn von 3D-Druck die Rede ist, denken viele zunächst an die Herstellung einzelner Bauteile oder Prototypen. Doch die Technologie kann weit mehr: Moderne additive Fertigungsverfahren ermöglichen es, direkt auf Textilien, Leder und anderen Materialien der Schuhindustrie zu drucken. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Design, Funktionalität und Produktionsprozesse.
Mehr als nur ein Druckverfahren
Beim direkten 3D-Druck auf Materialien werden Applikationen, Muster oder Reliefstrukturen schichtweise aufgebaut. Im Gegensatz zu klassischen 2D-Druckverfahren entstehen fühl- und sichtbare Strukturen, die dem Produkt eine völlig neue optische und haptische Wirkung verleihen. Dadurch können beispielsweise:
- dekorative Applikationen
- individuelle Oberflächenstrukturen
- funktionale Elemente
- Schnürteile oder Verstärkungen
direkt auf das Material aufgebracht werden.
Gerade für die Schuhbranche eröffnet dies neue Möglichkeiten, um Produkte individueller und innovativer zu gestalten.
Herausforderung: Hohe Kosten etablierter Systeme
Für hochwertige Anwendungen kommen heute häufig PolyJet-3D-Drucker zum Einsatz. Diese liefern zwar ausgezeichnete Druckergebnisse, sind jedoch mit hohen Investitions- und Betriebskosten verbunden. Hinzu kommen oftmals verpflichtende Wartungsverträge und laufende Softwarekosten. Für viele kleine und mittelständische Unternehmen stellen diese Faktoren eine erhebliche Hürde dar – insbesondere in frühen Entwicklungsphasen, wenn neue Ideen und Designs zunächst getestet werden sollen.
Unser Ansatz: Bezahlbare Technologie für Innovationen
Am PFI verfolgen wir daher das Ziel, vergleichbare Effekte mit deutlich kostengünstigeren FDM-Drucksystemen (Fused Deposition Modeling) zu erzielen. Dabei setzen wir bewusst auf:
- erschwingliche Hardware
- Open-Source-Software
- flexible Entwicklungsumgebungen
- unabhängige Prozessgestaltung
Der Einsatz von Open-Source-Lösungen ermöglicht es, Lizenz- und Abogebühren zu vermeiden und gleichzeitig unabhängig von einzelnen Softwareanbietern zu bleiben. Gerade in Zeiten steigender Kosten und zunehmender Abhängigkeiten von proprietären Systemen gewinnt dieser Aspekt immer mehr an Bedeutung.
Effizienzsteigerung in der Produktion
Im Mittelpunkt unserer Entwicklungsarbeiten steht das direkte Bedrucken von Textilien und Leder. Ziel ist es, verarbeitungsfertige Materialien unmittelbar mit dreidimensionalen Strukturen zu versehen. So können beispielsweise:
- Muster und Designelemente
- funktionale Verstärkungen
- Befestigungs- und Schnürsysteme
- individuelle Applikationen
in einem einzigen Fertigungsschritt erzeugt werden. Dadurch entstehen nicht nur neue gestalterische Möglichkeiten. Auch einzelne Produktionsschritte können entfallen, etwa das Fixieren von Bauteilen oder bestimmte Vorarbeiten im Zuschnittbereich.


Direktdruck auf Textilien und Leder
Ein besonderes Potenzial liegt in der Zusammenführung mehrerer Arbeitsschritte. Während klassische Fertigungsprozesse häufig aus zahlreichen Einzeloperationen bestehen, kann der Direktdruck verschiedene Funktionen in einem einzigen Maschinenlauf integrieren. Das spart Zeit, reduziert den Materialeinsatz und eröffnet neue Möglichkeiten für eine effizientere Produktion. Insbesondere für die wenigen verbliebenen Schuhhersteller in Deutschland kann dies ein wichtiger Baustein sein, um Entwicklungs- und Produktionskosten zu senken und gleichzeitig innovative Produkte auf den Markt zu bringen.
Erste Ergebnisse sind vielversprechend
Unsere Arbeiten befinden sich derzeit noch in einer frühen Entwicklungsphase. Erste Testanwendungen konnten jedoch bereits erfolgreich umgesetzt werden und zeigen das Potenzial des Verfahrens. Neben der Entwicklung robuster und qualitativ hochwertiger Druckprozesse erstellen wir derzeit systematisch Datensammlungen zu:
- geeigneten Materialkombinationen
- Druckparametern
- Haftungseigenschaften
- Anwendungsgebieten
Das Ziel besteht darin, zukünftigen Anwendern belastbare Grundlagen für den praktischen Einsatz der Technologie bereitzustellen.
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Der direkte 3D-Druck auf Textilien und Leder verbindet Designfreiheit, Funktionalität und Effizienz auf innovative Weise. Die Technologie bietet großes Potenzial für die Entwicklung neuer Produkte und Produktionskonzepte in der Schuhindustrie.
Sie möchten mehr über unsere Forschungsarbeiten erfahren oder eigene Ideen diskutieren? Dann freuen wir uns auf den Austausch mit Ihnen im International Shoe Competence Center (ISC) des PFI.
Sprechen Sie uns an – und gestalten Sie die Zukunft der Schuhentwicklung gemeinsam mit uns.
Ihr Ansprechpartner:

Liselotte Vijselaar
ISC – International Shoe Competence Center
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