Das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e. V. (PFI) wurde vom Landkreis Südwestpfalz mit der Durchführung einer Machbarkeitsstudie zur Biogutvergärung beauftragt. Ziel der Studie ist es, die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine nachhaltige Verwertung von Bioabfällen in der Region zu analysieren.
Im Fokus stehen dabei mehrere zentrale Fragestellungen: Neben der Wirtschaftlichkeit einer Vergärungsanlage im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit werden auch die Integration bestehender Logistikstrukturen, geeignete Technologien, die Nutzung der erzeugten Energie sowie die Verwertung der anfallenden Gärreste untersucht. Darüber hinaus umfasst die Studie die Entwicklung eines technischen Konzepts mit besonderem Augenmerk auf eine ortsnahe Nutzung der entstehenden Stoffströme sowie eine detaillierte Standortanalyse für den Energiepark Pirmasens.
Interkommunale Zusammenarbeit in der Region
Die Machbarkeitsstudie betrachtet eine mögliche Kooperation zwischen den Städten Pirmasens und Zweibrücken sowie den Landkreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz. In dieser Region mit rund 270.000 Einwohnern fallen jährlich etwa 28.000 Mg Bioabfälle aus der Biotonne an.
Bislang erfolgt die Verwertung dieser Bioabfälle überwiegend über externe Dienstleister im Rahmen von Ausschreibungen (Drittbeauftragung). Der aktuelle Abfallwirtschaftsplan Rheinland-Pfalz (AWP 2022) schreibt in solchen Fällen eine kombinierte energetische und stoffliche Nutzung im Sinne einer Kaskadenlösung vor.
Darüber hinaus definiert der AWP klare Zielvorgaben: Bis zum Jahr 2035 sollen 100 % der Biotonnenabfälle in Anlagen mit vorgeschalteter Vergärung behandelt werden. Gleichzeitig wird eine anschließende stoffliche Verwertung der Gärreste unter Einhaltung hoher Emissionsstandards sowie mit hohen Wirkungsgraden bei der Biogasnutzung gefordert.
Klimaschutzpotenziale durch regionale Biogutvergärung
Derzeit werden die Bioabfälle der beteiligten Kommunen über vergleichsweise lange Transportwege verwertet, wodurch jährlich über 600 Tonnen CO₂-Äquivalente entstehen. Der Großteil der Abfälle (rund 23.000 t/a) wird aktuell kompostiert.
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zeigen jedoch ein erhebliches Optimierungspotenzial: Durch die Behandlung der Bioabfälle in einer regionalen Vergärungsanlage im Energiepark Pirmasens-Winzeln könnte der jährliche Treibhausgasausstoß um bis zu 2.700 Tonnen CO₂-Äquivalente reduziert werden.
Die durchgeführte Potenzialanalyse verdeutlicht zugleich, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, um die Qualität des eingesetzten Bioguts zu verbessern. Im Fokus stehen hierbei insbesondere:
- die Reduktion von Störstoffen auf unter 3 %
- die Steigerung des Biogaspotenzials auf etwa 120 Nm³ pro Tonne Biogut
Technologische Optionen und Standortbewertung
Im Rahmen der Studie wurden drei unterschiedliche Verfahrensvarianten zur Vergärung von Biogut entwickelt. Alle untersuchten Fermentationsverfahren sind grundsätzlich am Standort Energiepark Pirmasens-Winzeln realisierbar.
Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden umfassend analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass aus regulatorischer Sicht keine grundlegenden Bedenken gegen eine Umsetzung des Projekts am vorgesehenen Standort bestehen.
Nächste Schritte der Machbarkeitsstudie
Die im Zwischenbericht enthaltenen Ergebnisse sowie konkrete Handlungsempfehlungen werden im März 2026 mit den Vertretern der beteiligten Kommunen abgestimmt. Auf dieser Grundlage kann – vorbehaltlich der Zustimmung des Fördermittelgebers – die nächste Phase eingeleitet werden.
Nach aktueller Planung soll die Machbarkeitsstudie ab April 2026 in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung übergehen. Fördermittelgeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK)
Sie haben Fragen zum Projekt?
Ihr Ansprechpartner:

Benjamin Pacan
Forschungsanlagen
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