Nachhaltigkeit spielt in der modernen Produktentwicklung eine zentrale Rolle. Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, Umweltwirkungen bereits in der Planungsphase systematisch zu berücksichtigen. Besonders im Fokus: der sogenannte Carbon Footprint, also die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Viele Unternehmen arbeiten bereits aktiv daran, ihre CO₂-Emissionen durch optimierte Materialien und effizienteres Ressourcenmanagement zu reduzieren. Doch gerade bei komplexen Produkten wie Schuhen gibt es zahlreiche Fallstricke, die eine ganzheitliche Betrachtung notwendig machen.
Carbon Footprint vs. PEF: Ganzheitliche Umweltbewertung
Neben dem klassischen Carbon Footprint gewinnt die Product Environmental Footprint (PEF)-Methode der EU zunehmend an Bedeutung. Im Unterschied zur reinen CO₂-Betrachtung berücksichtigt PEF eine Vielzahl weiterer Umweltwirkungen, darunter:
- Ressourcenverbrauch
- Wasserverbrauch
- Versauerungspotenziale
- Schadstoffemissionen
Der entscheidende Vorteil: Es wird erkannt, wenn eine vermeintlich klimafreundliche Alternative in anderen Umweltkategorien deutlich schlechter abschneidet.
So funktioniert Umweltbilanzierung in der Praxis
Unabhängig von der Methode folgt die Umweltbilanzierung in der Regel einem klaren Prozess:
- Datenerhebung: Detaillierte Analyse von Produkt, Materialien und Herstellungsprozessen
- Datenabgleich: Nutzung von Datenbanken mit Referenzwerten zu Emissionen und Ressourcenverbräuchen
- Modellierung: Abbildung des Produkts als vollständiges System („Rezept“)
- Auswertung: Identifikation relevanter Einflussfaktoren und kritischer Prozessschritte
Wichtig dabei: Einzelne Ergebnisse sind nur bedingt aussagekräftig. Erst der Vergleich mit alternativen Materialien oder Produktionsmethoden ermöglicht fundierte Entscheidungen und echte Optimierungspotenziale.
Warum Schuhe besonders komplex sind
Schuhe gehören zu den komplexesten Konsumgütern überhaupt. In kaum einem anderen Produkt treffen so viele unterschiedliche Materialien aufeinander:
- Leder
- Kunststoffe und synthetische Textilien
- Schäume und Beschichtungen
- Naturfasern
- Metallkomponenten
- Klebstoffe und Verstärkungen
Diese Materialvielfalt macht die Umweltbewertung besonders anspruchsvoll. Gleichzeitig müssen Funktionalität, Komfort, Haltbarkeit und Design gewährleistet bleiben – zentrale Faktoren für den Markterfolg.
Materialwahl: Umweltwirkung richtig einordnen
In der reinen Umweltbilanz schneiden Kunststoffmaterialien häufig besser ab, da ihre Herstellung vergleichsweise ressourceneffizient ist. Natürliche Materialien wie Leder weisen hingegen oft höhere Umweltwirkungen auf – zumindest in der quantitativen Betrachtung.
Gleichzeitig entwickelt sich der Markt weiter: Innovative Materialien auf Basis biologischer Reststoffe oder mit biologischer Abbaubarkeit eröffnen neue Perspektiven für nachhaltige Schuhproduktion.
Wo Unternehmen ansetzen sollten
Trotz der Komplexität lassen sich klare Ansatzpunkte identifizieren:
- Sohle: Aufgrund ihres Gewichts und der eingesetzten Materialien ein zentraler Einflussfaktor
- Obermaterial: Häufig entscheidend für die Gesamtbilanz und Produktperformance
- Materialverständnis: Schlüsselkompetenz für Designer und Entwickler
Dabei gilt: Nicht jede nachhaltige Alternative ist automatisch praktikabel. Insbesondere bei Hochleistungsanforderungen bleibt Leder in bestimmten Anwendungen schwer ersetzbar.
Nachhaltigkeit beginnt mit Verständnis
Der wichtigste Schritt ist ein fundiertes Verständnis für Materialien, Prozesse und deren Auswirkungen. Nur so können gezielte Verbesserungen entlang der Wertschöpfungskette erzielt werden.
Gleichzeitig darf ein zentraler Aspekt nicht außer Acht gelassen werden: Langlebigkeit und Tragekomfort. Denn je länger ein Schuh genutzt wird, desto stärker relativieren sich die Umweltwirkungen seiner Herstellung.
Fazit:
Die Umweltbilanzierung von Schuhen ist komplex, bietet jedoch enorme Potenziale für nachhaltige Innovationen. Unternehmen, die frühzeitig auf fundierte Analysen und ganzheitliche Bewertungsmethoden setzen, verschaffen sich nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile.
Sie haben Fragen?
Ihr Ansprechpartner:

Dr. Johannes Menges
Chemie und mikrobiologische Analytik
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